Energieversorger

Stromversorger

Sie produzierten, verkauften und lieferten Strom. Dies führt zu einer zentralen Frage: Was bedroht die Energieversorger und wie können sie reagieren? Aus dem modernen Energieversorger der Zukunft wird ein Energiemanager mit starkem Fokus auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden.

Energieversorger benötigen neue Geschäftschancen

Alles war so simpel. Sie erzeugten, vertrieben und versorgten mit Elektrizität. Aber dann kam der technologische Vorsprung, die Energie-Revolution und die Energie-Revolution. Fest steht: Die großen Energieversorger können nicht mehr so fortfahren wie bisher. Waren es früher die großen Energieversorger, die einen großen Teil ihrer Gewinne aus der Atomenergie erzielten, steht heute alles im Zeichen von Mond und Erde.

Die Kunden nehmen nicht mehr nur den Elektrizität, die aus ihrer Buchse kommt. Sie will energiesparender wohnen, ist aufgeklärter, kritischen und innovativen. Mittlerweile erzeugen viele Firmen ihren eigenen Strom: So nutzt zum Beispiel ein großer US-amerikanischer Autokonzern die Windkraft am Rand seines Betriebsgeländes. Die Energieversorger sollten die Lage jedoch nicht als Gefahr wahrnehmen, sondern als Gelegenheit, neue Felder zu erproben, zu überdenken und neue Möglichkeiten zu erobern.

Gegen Windkraftanlagen kämpfen? So können sich Energieversorger bewähren

Mit der berühmten Anfrage von Jeff Jarvis "Was würde Google tun?" könnten bald auch Energieversorger in Deutschland angesprochen werden. Die grössten IT-Unternehmen im Silicon Valley wollen in den Energiesektor einsteigen. Seitdem sie im Netz aufgewachsen sind, haben die Internetunternehmen bereits den Wandel durchlaufen, der für die Energieversorger noch vor uns liegt.

Allerdings kann es für Energieversorger keine Aussicht sein, nur darauf zu warten, dass solche Konkurrenten den Wettbewerb durcheinander bringen und die herkömmlichen Marktteilnehmer ersetzen. Drei voneinander abhängige Auswirkungen mindern den Umsatz, den Firmen mit der Stromerzeugung und -vermarktung erreichen können: zum einen der Energierücklauf, der die regenerativen Energieträger in den Mittelpunkt stellt, zum anderen der Atomausstieg als Folge der Reaktorkatastrophe von Phukushima im Jahr 2011 und zum anderen der zunehmende Konkurrenzdruck auf dem Enkundenmarkt.

Die Tatsache, dass das EEG bei der Netzeinspeisung den regenerativen Energieträgern den Vorzug vor konventionellem Energieträger gibt, schafft ein Missverhältnis. Kaum erzeugt eine Regenerativstromquelle Elektrizität, muss weniger herkömmlicher Elektrizität in eine andere Quelle eingespeist werden. Dadurch besteht zurzeit ein Stromüberschuss im Versorgungsnetz, der die Tarife unterdrückt.

Hinzu kommt, dass Elektrizität aus regenerativen Energien schwierig zu planen und vorherzusagen ist und daher nur eine begrenzte Grundlast tragen kann. So wird an Sonnentagen, an denen Solar- und Windkraftwerke viel Elektrizität erzeugen, so viel Elektrizität in das Stromnetz eingespeist, in dem die Großhandelspreise, wie beispielsweise die Elektrizitätsbörse, manchmal auf ein negatives Niveau fallen.

Angesichts sinkender Großhandelspreise ist die Kostenerstattung der Energieerzeugung für leistungsschwächere Anlagen nicht mehr möglich. Andernfalls würden die CO2-Emissionskosten, die bei Braunkohlenkraftwerken im Verhältnis zu anderen Energieträgern am größten sind, die Kostensteigerungen der Braunbraunkohle ausgleichen. Die daraus resultierende Problematik für die Energieversorger ist offensichtlich: Die Stromerzeugung, mit der sie bisher zuverlässig und zuverlässig arbeiten konnten, ist kein lohnendes Unterfangen mehr - im Gegenteil. Bei der Stromerzeugung geht es darum, die Energieversorgung zu verbessern.

Große Werke, in die Energieversorger in den letzten Jahren große Mengen an Energie investieren, werden oft nicht mehr in Produktion gehen, weil sie große Schäden machen und nicht mehr die erwarteten Erträge erzielen. Gleichwohl erlegt die über das Stromnetz souveräne BNetzA die Verpflichtung auf, nicht gewinnbringende Kernkraftwerke am Stromnetz zu belassen, indem sie den Stromerzeugern die Stilllegung kostenintensiver Kernkraftwerke untersagt, um die Liefersicherheit zu garantieren.

Infolge dieser Auswirkungen sinkt der Umsatz der Stromproduzenten, die sie früher durch die Stromerzeugung erzeugen konnten, stetig. Dadurch wird das tatsächliche Ergebnis der Energiesystemtransformation - der Schutz des Klimas - zunichte gemacht. Darüber hinaus wechseln immer mehr große industrielle Kunden zur Eigenstromerzeugung und zum Kauf von weniger Elektrizität. Schließlich steigen die Ansprüche der Regierung und der Verordnungen der EU, vor allem die Transparenzregeln wie EMIR (European Market Infrastructure Regulation), REMIT (Regulation on Großhandel Energy Market Integrity and Transparency), das Market Transparency Act und andere Verordnungen, die Geschäfte auf dem Großmarkt zunehmend zum Schutz vor Fehlinterpretationen und Manipulationen reglementieren und auswerten.

Vor allem die großen Energieversorger sehen sich daher in einem äußerst problematischen Marktumfeld, da sie die geplanten Verkäufe weder durch Erzeugung noch durch den Endkundenverkauf generieren, sondern auf der Aufwandsseite aufgrund von unrentablen Kraftwerken, hohen Lohnkosten und weitgehend veralteten, ineffizienten Unternehmensstrukturen enorme Aufwendungen zu verkraften haben. Bisher der Stand auf dem Energiegroßhandelsmarkt.

Damit alle Energieversorger in diesem Marktsegment überleben können, müssen sie sich einem tief greifenden Umbruch unterziehen, der in vier große Etappen untergliedert ist: Zum einen müssen sie sich auf den Markt begeben: Energielieferanten müssen sich von reinrassigen Stromerzeugern und -verkäufern zu Energiedienstleistungsunternehmen ausweiten. Dies bedeutet, dass sie ihre Endverbraucher in den Bereichen Energy Management, Energy Data Management (EDM) und Energy Efficiency bestmöglich unterstützen und neue Services im Rahmen des Portfolio Managements anbieten.

Als weitere Maßnahme positioniert man sich als Leiter der Energiesystemtransformation - eine neue Aufgabe, die vor allem große Konzerne für sich einnehmen. Dabei steht nicht mehr die tatsächliche Energieerzeugung im Mittelpunkt, sondern der Lieferant, der die Verantwortung für das Management der Spannung trägt, die im Wettstreit zwischen klassischen und regenerativen Energieträgern auftritt.

Dazu können Fragen wie die virtuellen Kernkraftwerke (VPPs), das Risikomanagement bei der dezentralen Stromerzeugung und -speicherung oder die Wiederverdampfung von Überschussstrom im Stromnetz behandelt werden. Die zunehmende diskrete Stromerzeugung aus Fotovoltaikanlagen, Kleinwasserkraftanlagen, Biogasanlagen, Windkraftanlagen sowie Mini- oder Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen verlangt die neue Funktion eines dezentralen Wärmemanagers, der die dezentralen Stromerzeugungsanlagen und die Anforderungen an die Stromnetze verwaltet.

Branchen wie Telekommunikation und Bankwesen haben gezeigt, wie eine solche fundamentale Veränderung erfolgreich sein kann, so dass Parallelität mit dem notwendigen Wechsel im Energiebereich hergestellt werden kann. Infolge der zunehmenden Internationalisierung und der Übertragung vieler Dienste ins Netz mussten viele Kreditinstitute ihre bisherigen Geschäftsmodelle aufgeben. Darüber hinaus sind in den letzten Jahren viele neue Wettbewerber auf den Märkten erschienen, wie z.B. direkte und reines Online-Banking, die ihre Angebote mit völlig unterschiedlichen Preisstrukturen zu deutlich niedrigeren Kosten anbieten kann.

Es gibt hier eine Parallele zur Energiewirtschaft, in der viele Discounter die Tarife dämpfen. Jetzt dringen auch IT-Unternehmen wie Amazon und Google in den Strommarkt vor, übernehmen eine ganz andere Funktion und agieren als reiner Stromhändler. Auf dem Großhandelsmarkt beziehen sie Elektrizität und leiten sie mit geringen Gewinnspannen an die Endverbraucher weiter.

Die Folge ist ein grundlegender Wandel auf dem Strommarkt. Der Grund dafür ist, dass das aktuelle Businessmodell für die meisten Energieversorger langfristig nicht mehr funktioniert. Zumal sich die Elektrizitätspreise durch den Ausbau der regenerativen Energieträger wie erwartet auf dem aktuell tiefen Stand ausgleichen. Damit entfällt die Energielandschaft.

Das zentrale Unternehmensmodell hat angesichts der fortschreitenden dezentralen Energiegewinnung aus regenerativen Energiequellen keine Perspektive. Der Grund für die Existenzberechtigung der Energiegiganten lag vor allem darin, dass sie als die Einzigen in der Situation waren, die sehr hohen Investitionskosten für den Bau großer Kohlekraftwerke zu bewältigen. Idealerweise werden sie die Funktion des Verwalters für die Transformation des Energiesystems in der Region wahrnehmen, indem sie das Wärmemanagement für die Endverbraucher sicherstellen und die Kapazitätsauslastung der örtlichen Stromnetze sicherstellen, z.B. indem sie Solar- und Windenergieanlagen und andere dezentrale Energieerzeuger zu kleinen, virtuellen Stromkraftwerken zusammenschließen.

Damit steigt auch der Kostenverursacherdruck so stark an, dass die Energieversorger ihre bestehenden Kapazitäten nicht mehr ausreichen. Zum Beispiel, wie viel kostet die Erzeugung und der Vertrieb von einer kWh Elektrizität? Doch auch bei wirtschaftlich unabhängig agierenden Energielieferanten ist die Freisetzung von Mitarbeitern keine Möglichkeit zur Kostensenkung.

Neuentwicklung von innovativen Produkten, Kundendienst, Stromhandel und Risiko-Management. Outsourcing und Prozessautomatisierung sind zwei zentrale Elemente, mit denen sich Energieversorger für die Zukunft positionieren können. Dies eröffnet kleineren lokalen Energieversorgern die Chance, die bestehenden städtischen Netze verstärkt zu nützen und die Aufgabenstellung unter sich aufzuspalten. Sinnvoll wäre z.B. die Betreuung der Endverbraucher und des Vertriebs vor ort durch die städtischen Versorgungsunternehmen und die Übernahme von Gewerbe, Fakturierung, Energiemanagement und anderen.

Ebenso bedeutsam für die Prozessoptimierung sind ein hoher Automatisierungsgrad der Abläufe wie Trading, Sales und Accounting sowie ein leistungsfähiges und alle Unternehmensrisiken überwachendes Risikomanagemen. Aus den durch Outsourcing und Prozessautomatisierung eingesparten personellen Ressourcen können dann neue, zukunftsweisende und bedarfsgerechte Lösungen entwickelt werden.

Dies gibt Energieversorgern die Chance, bedarfsgerechte Angebote und Services zu unterbreiten. Gemeinsam mit unabhängigen Consulting-Partnern können sie ihre IT-Infrastruktur optimal nutzen, um die Time-to-Market für neue Projekte zu beschleunigen. Das neue energetische Umfeld verlangt auch nach neuen Lösungsansätzen, mit denen sowohl Endverbraucher als auch Firmen energieeffizienter wirtschaften können.

Zur Einsparung von Elektrizitätskosten verwenden sie einen elektronischen Stromzähler, der bei niedrigen Preisen einkauft. Kühllager, bei denen nur eine gewisse durchschnittliche Temperatur vorherrschen muss, können beispielsweise mit der Abkühlung beginnen, wenn der Elektrizität am günstigsten ist. Auch für Energieversorger tauchen hier neue Abrechnungsprobleme auf. Im Prinzip muss sich der noch sehr zurückhaltende, rigide Strommarkt auf andere Sektoren ausrichten, die bereits einen grundlegenden Wandel durchlaufen haben, und sich mehr für neue, zukunftsweisende Angebote und Services aufmachen.

Die großen Energieversorger haben diesen Entwicklungstrend gespürt und verlassen sich auf einzelne, massgeschneiderte Angebote, die eine Reihe von sich ändernden Einflussfaktoren einbeziehen und den Verbrauchern eine breite Palette von Möglichkeiten eröffnen. Die Energieversorger müssen nun diesen Weg gehen - egal, ob IT-Unternehmen wie Amazon und Google auf dem dt. Markt einsteigen. Die neuen Akteure würden die angespannte Marktlage deutlich verschlimmern, verändern aber nicht den grundlegenden Wandel, vor dem der Energiebereich steht.

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